Gostivar

Gostivar (mazedonisch Гостивар; albanisch auch Gostivari) ist eine Stadt in Mazedonien und liegt in der Region Polog im Nordwesten des Landes. Sie ist Amtssitz der gleichnamigen Opština, die neben der Stadt noch umliegende Dörfer umfasst und rund 513 Quadratkilometer groß ist. Gostivar liegt am Ostfuß des Gebirges Šar Planina (alb. Mali i Sharrit) und ist ein wichtiger Industrie- und Gewerbestandort Westmazedoniens.

Gostivar liegt im oberen Teil der Polog-Ebene am Flusslauf des Vardars, der etwa sechs Kilometer südwestlich beim Dorf Vrutok entspringt und die Stadt in eine Nord- und Südhälfte teilt. Die Ebene ist eine der wichtigsten Landwirtschaftsgebiete Mazedoniens. Gostivar liegt zwischen 520 und 550 m. i. J.. In allen Himmelsrichtungen mit Ausnahme im Norden erheben sich Gebirge, die im Westen mit den Gipfeln der Šar Planina bis zu 2000 m. i. J. erreichen. Südlich erhebt sich ein dicht bewaldetes und von Flüssen durchzogenes Hügelland. Im Osten liegen einige Bergzüge mit bis zu 1500 m. i. J. sowie der Kozjak-Stausee.

Laut der Volkszählung von 2002 zählte die Stadt Gostivar 35.847 Einwohner. Davon bezeichneten sich 16.890 als Albaner, 11.885 als Mazedonier, 4.559 als Türken und 1.899 als Roma.

16.877 Einwohner gaben Albanisch, 13.843 Mazedonisch, 4.423 Türkisch und 301 Romani als Muttersprache an.

Ethnische Zusammensetzung der Opština im Jahre 2002:

Bemerkung: die Prozentwerte sind auf zwei Kommastellen gerundet.

Das bisher älteste Dokument, das die Stadt (indirekt) erwähnt, ist eine Beschreibung des römischen Historikers Titus Livius (59 v. Chr. bis 17 n. Chr.): der letzte König Makedoniens Perseus soll mit 10.000 Soldaten nach der Eroberung von Uscana (heutiges Kičevo) in Euneum (heutiges Tetovo) einmarschiert sein und die Stadt erobert haben. Während des Marsches soll er das Städtchen Draudacum eingenommen haben, welches sich zwischen den beiden Städten befunden haben soll. Dieses Städtchen wird für das heutige Gostivar gehalten.

1566 wird der osmanische Uhrturm (alb. Kulla e Sahatit) errichtet. 1676 errichtete man daneben eine Moschee (albanisch Xhamia e Sahatit), die heute als das Zentrum der muslimischen Gemeinde der Region von Gostivar gilt. 1688 wird die Medrese in der Nähe des Uhrturms errichtet, sie wird zur ersten Schule der Stadt. In ihrem Gebäudekomplex beherbergt sie auch eine große Bibliothek.

Nach der serbischen Besetzung von Gostivar 1913 kam es zu einem Aufstand der albanischen Bevölkerung, wobei 300 Muslime der Stadt – obwohl am Aufstand gar nicht beteiligt – vom serbischen Militär aus der Stadt geführt und ermordet wurden.

Im Juli 1997 hisste die Stadtverwaltung unter dem damaligen Bürgermeister Rufi Osmani (RDK) vor dem Rathaus als Protest gegen die Minderheitenpolitik der mazedonischen Regierung die albanische Flagge. Die mazedonische Polizei machte die Aktion darauf jedoch wieder rückgängig, was zu Straßendemonstrationen der Stadtbevölkerung führte, die Gleichberechtigung der Ethnien in Mazedonien forderten und die albanische Fahne vor einer weiteren Entfernung beschützen wollten. Insgesamt zogen über 10.000 Menschen durch die Stadt. Über 4.000 Polizeieinheiten besetzten darauf die Hauptstraßen und unterbrachen die Strom- und Telefonleitungen. Anschließend kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der mazedonischen Polizei und den Demonstranten. Zwei Personen kamen ums Leben, als sie versuchten, die albanische Nationalflagge am Fahnenmast vor der Polizei zu beschützen. Sie gelten für die Albaner heute als Märtyrer. Über 80 weitere Personen wurden verletzt und etliche verhaftet. Das Ereignis war eines von mehreren blutigen Auseinandersetzungen zwischen Albanern und Mazedoniern (bzw. mazedonischen Polizei- und Armeekräften), die seit der Unabhängigkeit der Republik im Jahr 1991 immer wieder aufflammten. Der ethnische Konflikt führte 2001 sogar zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen, die einige Dutzend Opfer auf beiden Seiten forderten. Mit der Rahmenabkommen von Ohrid wurde ein Waffenstillstand mit den paramilitärischen Einheiten der Albaner vereinbart sowie eine gesetzliche Grundlage für die Gleichberechtigung der ethnischen Minderheiten geschaffen. Seitdem hat sich die Lage beruhigt, doch das vereinbarte Abkommen ist immer noch nicht zu 100 Prozent ausgeführt worden.

Gostivar ist bekannt für seinen Uhrturm (Sahat Kulla) und seine Altstadt mit den osmanischen Bürgerhäusern. In der Umgebung finden sich viele Sehenswürdigkeiten wie die Quelle des Vardar, der Berg Bistra, die vielen Laubwälder, das Kloster Sveti Jovan Bigorski und der Korab, der höchste Punkt des Landes.

Wie auch im übrigen Mazedonien ist Burek (alb. byrek/-u) auch in Gostivar eine beliebte Speise. In der Stadt und Umgebung wird die kulinarische Spezialität traditionell unter einer metallenen Kugelhaube (alb. saç/-i) gebraten, die glühende Asche auf ihrer Oberfläche besitzt und so unter Hitzeeinwirkung das Gebäck gart. Der Teig wird in Gostivar mit Butter gemacht und die Füllung besteht meist aus Lammhackfleisch, Kartoffelwürfeln und Oregano. Auch gibt es Varianten mit Spinatblättern, Pfefferminze, Kürbis oder einer Käse-Ei-Füllung.

Neben den zehn Grundschulen gibt es in der Gemeinde Gostivar noch drei Mittelschulen und ein College. Das Yahya Kemal College wurde 1999 eröffnet und ist heute die einzige private Hochschule der Stadt (öffentlich-staatliche Universitäten gibt es nicht).

Gostivar ist eine Handelsstadt. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffneten viele Händler aus Kruševo, Kičevo, Tetovo und Veles ihre Geschäfte.

Gostivar gehört zu den größten Städten des Landes und besitzt gute Straßenverbindungen nach Tetovo, Debar und Kičevo. Die Stadt hat eine verhältnismäßig gute Infrastruktur. 1995 wurde von Gostivar nach Tetovo eine 28 Kilometer lange Autobahn errichtet, die weiter nach Skopje führt (ca. 65 km). Die Straßen nach Kičevo und Debar sind vergleichsweise alt und z. T. sehr kurvenreich, jedoch in einem guten Zustand. Die neue Verkehrsader zwischen Mazedonien und Albanien wird zukünftig zwischen Gostivar und Peshkopi führen, diese Rruga e Arbërit genannte Strecke wird einerseits die Fahrtdauer von Skopje nach Tirana um einige Stunden verkürzen und andererseits die verkehrsreiche Straße zwischen Kičevo, Struga und Elbasan entlasten. Letztere ist Teil des interbalkanischen Infrastrukturprojektes Korridor VIII und soll in den kommenden Jahren zusätzlich ausgebaut werden.

Eine Linie der Mazedonischen Eisenbahn verläuft von Kičevo über Gostivar und Tetovo nach Skopje und verbindet somit die wirtschaftlichen Zentren des Landes. Die internationalen Flughäfen von Skopje und Ohrid liegen in rund 90 bzw. 100 km Entfernung.

Der Binnenverkehr wird heute meist durch Autos bewältigt. Es gibt jedoch daneben auch einige Taxi- und vor allem Bus-Unternehmen. In die größten Dörfer fahren jeden Tag in Viertelstunden- oder Halbstunden-Takt Busse. Nach Tetovo, Skopje, Debar, Tirana, Priština, Belgrad, Istanbul und Zagreb fahren täglich Klein- oder Reisebusse. Einige Bus-Firmen führen nebenbei auch einige westeuropäische Destinationen auf, wie z. Bsp. Wien, Linz, Düsseldorf, Hamburg und Rom, zu welchen wöchentlich Busse hinfahren.

über 400.000 Einwohner: Skopje 

über 50.000 Einwohner: Bitola | Kumanovo | Prilep | Tetovo 

über 30.000 Einwohner: Veles | Štip | Ohrid | Gostivar | Strumica 

über 10.000 Einwohner: Kavadarci | Kočani | Kičevo | Struga | Radoviš | Gevgelija | Debar | Kriva Palanka | Sveti Nikole | Negotino | Delčevo | Vinica 

über 2000 Einwohner: Resen | Probištip | Berovo | Kratovo | Bogdanci | Kruševo | Makedonska Kamenica | Valandovo | Makedonski Brod | Demir Kapija | Pehčevo | Demir Hisar