Aktientheorie (Staatstheorie)

Die so genannte Aktientheorie ist der Grundgedanke der Staatstheorie des Osnabrücker Rechtsgelehrten und Staatsmannes Justus Möser (1720–1794); sie ist zugleich eine (veraltete) These zur Staatsentstehung.
Möser zufolge geht der Staat, d.h. die gesamte politisch-gesellschaftliche Grundordnung an sich, ursprünglich aus einer vertraglichen Übereinkunft aller Grundbesitzer hervor. Dies unterscheidet seine Auffassung von der seinerzeit verbreiteten Form der Vertragstheorie, die in der Regel alle freien Erwachsenen (oder zumindest alle Männer), ungeachtet ihres Besitzes oder sonstiger Eigenschaften, in die ursprüngliche Staatsgründung (im so genannten Naturzustand) mit einbezog.
Für Möser stellte diese Vereinigung der Landbesitzer einen realhistorischen Vorgang dar, in dem sich beieinander lebende begüterte Familien bzw. ihre Oberhäupter zur Besorgung gemeinsamer Anliegen, wie etwa der Bewirtschaftung „herrenlosen“ Landes oder der Sicherung der Güter nach außen, zu ersten Gemeinwesen zusammenschlossen. „Die Europäer, als Landbauer, legten… das Eigenthum eines für jeden Staat bestimmten Acherhofs, Mansus genannt, zum Grunde ihrer Verbindung. Nur der ächte [sic] Eigentümer eines solchen Mansus war Mitglied der Nation…“. Diese These gilt in der ethnologischen Forschung zur Staatsentstehung als überholt. In genau diesem Sinne vergleicht Möser den Landbesitz an anderer Stelle mit einer Aktie: Durch sein Land, das der Einzelne in die „Staatsgemeinschaft“ einbringt, wird er erst zum Bürger. Es ist sein Beitrag zum Gemeinwesen, für den er Anteil an der gemeinsamen Sache, dem Staat, erwirbt. In dem auf diese Weise die staatsbürgerlichen Pflichten und Rechte direkt miteinander verbunden sind, herrscht auch eine gewisse Form von Leistungsgerechtigkeit: „Der Arme, der kein Land hat, hat keine politischen Rechte, aber er braucht eben auch keine Steuern zu zahlen und vielleicht auch keinen Wehrdienst zu leisten“, interpretiert Schröder. Ein solches Verständnis von politischer Gerechtigkeit war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in westlichen Gesellschaften weit verbreitet (Vergleiche Zensuswahlrecht), wäre jedoch nach dem modernen, egalitären Verständnis von Staatsbürgerschaft nicht mehr begründbar.
Obwohl nach dieser Theorie zunächst nur Landeigentümer, also Großgrundbesitzer, Anteil an der Herrschaft haben, dient die „Aktientheorie“ Mösers nicht ausschließlich der Begründung ihrer Vorrangstellung. Auch andere gesellschaftliche Gruppen (etwa das Bürgertum) konnten mit der Zeit politische Rechte erwerben, nämlich indem sie sich an den – wohl vorrangig finanziell verstandenen – Lasten des Gemeinwesens beteiligten. Dazu Schröder: „Im Laufe der Zeit reichen die eigenen Mittel der Landaktionäre nicht mehr aus und sie müssen von Geldeigentümern (Bürgern und Bauern) weitere Mittel erbitten. Sobald aber diese ‚zweite Klasse‘ höhere Steuerleistungen bewilligt, ‚tritt sie als ein freier Stand auf, der so gut das Recht zu bewilligen und zu verweigern hat, als die erste Klasse [von Bürgern].‘“ So erklärt sich nach Möser die Entstehung des dritten Standes bzw. seiner Beteiligung an der politischen Ordnung.
In letzter Konsequenz würden auch die völlig Mittellosen durch ihren militärischen Einsatz für den Staat qua Wehrpflicht Teil der Bürgerschaft (ähnlich den so genannten Theten im antiken Athen). Indem Möser aber das historisch frühere bzw. ältere Recht der Landeigentümer, die einzig die ursprünglichen „Aktien“ besitzen, vor dem Recht der späteren Bürger gelten lässt, nehmen jene damit trotzdem eine gewisse Führungsposition im Gemeinwesen ein: Aus der Tatsache, dass einzig die Großgrundbesitzer den ursprünglichen Staatsgründungsvertrag geschlossen haben, schließt er, dass alle weiteren politischen Rechte nur vom Recht der Grundbesitzer abgeleitet werden können. Die zweite und andere Klassen von Staatsbürgern haben demnach zwar politische Teilhaberechte, jedoch nicht im gleichen Umfang wie die Grundbesitzer. „Insoweit setzt sich bei Möser also doch die historische gegen die rationale Begründung der ständischen Vorrechte durch“, womit er sich von den Positionen anderer, „progressiverer“ Naturrechtsdenker seiner Zeit deutlich absetzt.

Teišebai URU

Teišebai URU, auch Teišebai ardi („Stadt des Wettergottes“), Teischebai, Teischebani, war die urartäische Hauptstadt der transkaukasischen Provinz. Der Ort gehört heute zu Armenien.
Die Ruinen der Stadt liegen in einem südwestlichen Vorort von Jerewan auf dem Hügel Karmir Blur („Roter Hügel“) am Ufer des Hrasdan (urart. Ildarunia) nahe der Ausfallstraße nach Etschmiadsin.
Teišebai URU wurde von König Rusa II. zu Beginn seiner Regierung (ca. 680 v. Chr.) erbaut. Erebuni (Arin-berd) die alte Hauptstadt der Provinz ‚Aza – so der urartäische Name dieser Region – wurde verlassen und der Schatz der Stadt nach Teišebai gebracht. Die Stadt war gleichzeitig Festung. Die Stadt ist nach dem Wettergott Teišeba benannt. Gleichzeitig wurde auch ein Tempel des Reichsgottes Ḫaldi errichtet.
Der Bau der Gebäude dauerte bis zu Zeit des Königs Rusa III. an. Die Gesamtfläche der Stadt betrug 0,44 km2. Sowjetische Ausgrabungen unter Leitung von Boris Borissowitsch Piotrowski in der Zitadelle förderten Holzstühle mit Bronze-Beschlägen, eine Statue des Teišeba und viele Gold- und Silbergegenstände zu Tage. Es wurden auch Rüstungen, Helme und Schilde, Elfenbeinobjekte, Steinsiegel und Keramikgefäße gefunden. Die Zitadelle wurde wahrscheinlich Anfang des 6. Jh. v. Chr. zerstört.
Ein weiterer Ort mit dem Namen Teišebai URU, der durch Rusa I. gegründet wurde, befand sich am Sevansee und ist mit der Festung Odzaberd identifiziert worden.
Der rekonstruierte Eingang zur Festung
Grundriss von Teišebai
Überreste einer Mauer am Karmir Blur
40.15305555555644.451111111111Koordinaten: 40° 9′ N, 44° 27′ O

Minimalpaar

Phonologisch gesehen bilden zwei Wörter oder Ausdrücke ein Minimalpaar, wenn sie die gleiche Anzahl an Lauten aufweisen, unterschiedliche Bedeutung haben und sich dabei nur in einem Laut oder in einem Phonem unterscheiden. Als weitere Bedingungen für Minimalpaar werden gelegentlich eine gleiche Wortstruktur sowie Zugehörigkeit der beteiligten Wörter zu ein und derselben Wortart bestimmt. Vorausgesetzt ist dabei, dass die ganzen Betrachtungen innerhalb einer Sprache oder Sprachfamilie stattfinden. Durch systematische Bildung von Minimalpaaren kann man die Phoneme einer Sprache bestimmen. Die Menge aller Phoneme einer Sprache bezeichnet man als Phoneminventar dieser Sprache.

Wenn zwei Laute allein den Unterschied zwischen zwei Wörtern ausmachen, so kann man daraus schließen, dass sie zu zwei verschiedenen Phonemen gehören. So unterscheiden sich die Wörter „betten“ (in sorgfältiger Aussprache: [ˈbɛtən]) und „bitten“ ([ˈbɪtən]) nur in dem Lautgegensatz (= Opposition) zwischen [ɛ] und [ɪ]; sie haben die gleiche Anzahl an Lauten und eine unterschiedliche Bedeutung; auch die weiteren Bedingungen: gleiche Wortart und gleiche Wortstruktur sind erfüllt. Das bedeutet, dass im Deutschen [ɛ] und [ɪ] zu verschiedenen Phonemen gehören.
Um das Phoneminventar einer Sprache zu bestimmen, ist noch ein zweiter Schritt notwendig: Man muss klären, welche unterschiedlichen Laute nicht in der Lage sind, ein Minimalpaar zu bilden. So können im Deutschen der sogenannte „Ich-Laut“ (phonetisch: [ç]) und der „Ach-Laut“ ([χ]), die in dem Wortpaar „ich“ ([ɪç]) und „ach“ ([aχ]) vorkommen, kein Minimalpaar bilden, da ihr Auftreten vom vorherigen Vokal abhängig ist. Da beide Laute sich phonetisch sehr ähnlich sind (beide sind stimmlose Reibelaute und unterscheiden sich nur durch die Position am harten ([ç]) oder weichen Gaumen ([χ]), werden sie als Varianten (= Allophone) ein und desselben Phonems betrachtet.
Beispiele aus der deutschen Sprache:
Beispiele aus der englischen Sprache:
In der Codierungstheorie findet sich eine Entsprechung (und Verallgemeinerung) des Minimalpaar-Ansatzes unter dem Begriff der Hamming-Distanz.

Escitalopram

N06AB10
Antidepressivum
Selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
Escitalopram ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Er wird in der Behandlung von Depressionen, Panikstörungen, Sozialphobien, generalisierten Angststörungen und Zwangsstörungen verwendet.
Chemisch handelt es sich um das Eutomer des Arzneistoffs Citalopram.

Escitalopram wirkt in gleicher Weise wie racemisches Citalopram und andere SSRI, indem es wie diese die Wiederaufnahme von Serotonin aus dem synaptischen Spalt hemmt. Es wird vermutet, dass dies eine höhere Serotonin-Konzentration in der Gewebeflüssigkeit des Gehirns bewirkt. Serotonin wirkt dort als Botenstoff bei Prozessen, die die Psyche beeinflussen und die Stimmungslage und die psychische Antriebskraft verbessern können.
Eine Meta-Analyse von 2009 zeigte einen sehr geringfügigen, jedoch statistisch signifikanten Wirksamkeitsvorteil von Escitalopram gegenüber anderen SSRIs und SNRIs bei einem minimal geringeren Auftreten von Nebenwirkungen. Die Vorteile, vor allem die Kosten-Nutzen-Relation gegenüber Generika etablierter Medikamente gleicher Wirkstoffklasse, werden in mehreren Publikationen in Frage gestellt. Insbesondere konnte ein Wirkvorteil oder eine Verringerung von unerwünschten Wirkungen im Vergleich zu Citalopram nicht belegt werden.
Eine der häufigsten unerwünschten Wirkungen ist Übelkeit, die bei mehr als 10 % der Patienten auftritt. Bei 1 bis 10 % der Patienten kommt es außerdem zu Durchfall und Erbrechen, Schlaflosigkeit, Schläfrigkeit oder Schwindel, vermehrtem Schwitzen, vermindertem Appetit, Müdigkeit oder Fieber. Häufig sind Libido- oder Orgasmus-, Ejakulation- oder Potenzstörungen. Viele dieser Nebenwirkungen treten vermehrt in der ersten oder zweiten Behandlungswoche auf und nehmen bei fortgesetzter Behandlung an Intensität und Häufigkeit ab. Einige der Nebenwirkungen können auch nach dem Absetzen des Medikaments noch eine erhebliche Zeit fortbestehen.
Hohes Fieber, Erregung, Verwirrung, Zittern und kurze, ruckartige Zuckungen einzelner Muskeln können Anzeichen des selten auftretenden sogenannten Serotonin-Syndroms sein.
Escitalopram führt dosisabhängig zu einer QT-Intervall-Verlängerung im EKG. Ferner wurden nach der Markteinführung vereinzelt ventrikuläre Arrhythmien, darunter auch Torsade-de-Pointes-Tachykardien beobachtet. Wie schon bei Citalopram wurden Gegenanzeigen, Dosierungsangaben sowie die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung von Escitalopram im Dezember 2012 entsprechend aktualisiert.
Schwerwiegende Nebenwirkungen in Form eines Serotonin-Syndroms können in Kombination mit nicht selektiven irreversiblen Monoaminoxidase-Hemmern (MAO-Hemmern), mit reversiblen selektiven MAO-A-Hemmern und dem nicht selektiven reversiblen MAO-Hemmer und Oxazolidinon-Antibiotikum Linezolid auftreten, weswegen diese Kombinationen kontraindiziert sind. Besondere Vorsichtsmaßnahmen erfordert die Kombination mit Selegilin (MAO-B-Hemmer), serotonergen Arzneistoffen und Arzneimitteln, die die Schwelle für Krampfanfälle herabsetzen, ferner mit Lithium, Tryptophan, Johanniskraut und oralen Antikoagulantien.
Ein Wechsel zwischen Escitalopram und MAO-Hemmern darf nur unter sorgfältiger ärztlicher Kontrolle erfolgen und es müssen therapiefreie Tage eingeschaltet werden.
Bei einem Wechsel von Moclobemid zu Escitalopram muss mindestens ein Tag gewartet werden zwischen der letzten Einnahme des Moclobemids und der ersten Einnahme von Escitalopram. Bei einem Wechsel von Escitalopram zu Moclobemid muss ein Escitalopram-freies Intervall von 7 Tagen abgewartet werden.
Escitalopram ist oral wirksam, es gibt Tabletten (5 mg / 10 mg / 15 mg / 20 mg) und Tropfen zum Einnehmen.
→ Hauptartikel: SSRI und Schwangerschaft
Escitalopram sollte bei schwangeren Frauen nur wenn unbedingt notwendig und nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko angewendet werden. Plötzliches Absetzen während der Schwangerschaft sollte vermieden werden.
Es ist davon auszugehen, dass Escitalopram in die Muttermilch übergeht. Daher sollte während der Behandlung nicht gestillt werden.
→ Hauptartikel: SSRI Discontinuation Syndrome
Nach längerer Anwendung von SSRIs können bei plötzlichem Therapieabbruch bei einigen Patienten Absetzerscheinungen auftreten. Dies können Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Parästhesien, Tremor, Angst, Palpitation, vermehrtes Schwitzen, Nervosität und Schlafstörungen sein. Deswegen wird die Behandlung üblicherweise nicht abrupt, sondern ausschleichend beendet.
Mit dem Ablauf des Patentschutzes ist Escitalopram seit 2014 eingeordnet in eine Festbetragsgruppe mit Citalopram. Vorangegangen war ein Rechtsstreit zwischen dem pharmazeutischen Unternehmen Lundbeck, das das Originalpräparat vertreibt, und dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), dessen frühzeitige Festsetzung eines Festbetrages im Frühjahr 2011 ein halbes Jahr später vom Landessozialgericht Berlin-Brandenburg per einstweiliger Verfügung gekippt worden war.
Cipralex, Escitalopram-Hexal (D, A, CH), Escitalo-Mepha (CH), Seroplex (F), Lexapro (USA), sowie Generika

ArjoHuntleigh

ArjoHuntleigh ist ein Medizintechnik-Hersteller mit Hauptsitz in Malmö, Schweden. Das Produktportfolio umfasst Ausstattung im Bereich Medizintechnik und integrierte Lösungen für Patientbehandlung, wie Pflegebetten und Patientenlifter, und Hygiene, sowie für die Verhinderung von Dekubitalgeschwüren und tiefen Beinvenenthrombosen (TVT), Desinfektion, beispielsweise Steckbeckenspüler, und Diagnose. Er gehört wie Maquet zur schwedischen Getinge AB. Das Unternehmen ging 2007 aus der Fusion von ARJO und Huntleigh Technology hervor.

Das Unternehmen ARJO wurde 1957 von Arne Johansson in der schwedischen Stadt Eslöv, gegründet. Der Unternehmensname besteht aus den ersten beiden Buchstaben des Vor- und Nachnamens des Unternehmensgründers. Arjo fungiert zunächst als Zulieferer von Komponenten und Maschinenteilen für Hersteller von Medizinprodukten. 1972 entwickelte das Unternehmen die erste höhenverstellbare Badewanne und führte sie im Markt ein. 1993 wird die Aktie des Unternehmens an der Börse Stockholm und der London Stock Exchange eingeführt. 1995 erfolgt die Fusion mit dem schwedischen Unternehmen Getinge, in dessen Geschäftsbereich “Extended Care” es mit seinem Markennamen weitergeführt wird. 2004 übernimmt Arjo das Unternehmen BHM Medical und rundet mit dessen Deckenlifter sein Sortiment an Personenliftern ab. 2007 kam es zur Fusion von Arjo und Huntleigh Nesbit Evans (HNE).
1969 erfolgte in Luton die Gründung der Flowtron Aire Ltd, dem Vorgängerunternehmen von Huntleigh Healthcare, 1975 die der Huntleigh Group Ltd. 1985 erfolgt der Börsengang des Unternehmens als Huntleigh Technology PLC an der London Stock Exchange. 1993 übernimmt Huntleigh die Nesbit Evans Group und firmiert als HNE Huntleigh Nesbit Evans. 2007 kommt es zur Fusion von Arjo und Huntleigh Nesbit Evans (HNE). Luton ist jetzt der Sitz der ArjoHuntleigh International Ltd.
2012 übernahm ArjoHuntleigh den Bereich Dekubituslagerungssysteme von Kinetic Concepts..

Javier Sicilia

Javier Sicilia (* 1956 in Mexiko-Stadt) ist ein mexikanischer Schriftsteller, der vor allem als Lyriker, Essayist, Novellist und Journalist tätig war. Seit April 2011 ist er als Aktivist und Demonstrant zur Symbolfigur des friedlichen Widerstandes gegen den Drogenkrieg in Mexiko geworden und hat internationale Bekanntheit erlangt.

Sicilia – dessen Vater ebenfalls Poet war – studierte Philosophie, Literatur- und Politikwissenschaft sowie Soziologie an der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko. Anschließend war er für diverse Zeitschriften als Redakteur tätig. So schrieb er beispielsweise Beiträge für Los universitarias y cartapacios, La Jornada und Proceso. Gleichzeitig arbeitete er als Chefredakteur bei Poesía, war Herausgeber des mittlerweile eingestellten Magazins Ixtus und ist Gründer von El Telar. Derzeit leitet er das investigative Magazin Conspiratio.
Seit 1995 ist er Mitglied im Sistema Nacional de Creadores de Arte und lehrt am Campus der Universidad La Salle in Cuernavaca als Professor für Literatur, Ästhetik und Drehbuchschreiben. Beeinflusst von den Schriften Teresa von Ávilas und Johannes’ vom Kreuz, dominieren in Sicilias Werk Themen des Katholizismus und der christlichen Mystik. Er tut sich auch als Drehbuchautor für Kino- und Fernsehfilme sowie als Organisator diverser Literatur-Workshops hervor.
Am 28. März 2011 wurden sein Sohn – der 24-jährige Student Juan Francisco Sicilia Ortega – sowie sechs weitere Männer in Temixco nahe Cuernavaca ermordet in einem verlassenen Auto aufgefunden – gefesselt, mit Klebeband erstickt und mit Folterspuren am Körper. Die Tötungsart entspricht der Handschrift der Drogenkartelle, es ist jedoch unklar, warum speziell diese Opfer gewählt wurden. Möglicherweise waren sie lediglich Kollateralopfer des seit Dezember 2006 andauernden Krieges. Javier Sicilia, den die Nachricht auf den Philippinen ereilte, beschloss in der Folge, die Schriftstellerei aufzugeben und seine literarische Stimme schweigen zu lassen. Sein letztes Gedicht, wenige Stunden nach dem Tod seines Sohnes verfasst, endet mit dem Satz „La poesía ya no existe en mí“ (de.: „Die Poesie in mir existiert nicht mehr“).
Sicilia rief zu Großdemonstration gegen die Machenschaften der Kartelle und die Verflechtungen der Politik auf. Die mexikanische Regierung sei zu untätig und zu häufig müssten Attentäter nicht einmal eine Verurteilung fürchten. In über 40 mexikanischen Städten gingen daraufhin am 6. April Menschen auf die Straße, um für eine Beendigung der Auseinandersetzungen, den Abzug des Militärs von den Straßen, die teilweise Legalisierung einzelner Drogen sowie den Rücktritt von Präsident Felipe Calderón zu protestieren. In Cuernavaca versammelten sich 50.000 und bei einer von Daniel Giménez Cacho moderierten Veranstaltung in der Hauptstadt 20.000 Personen. Bereits am 3. April kündigte er in einer im führenden Nachrichtenmagazin Processo veröffentlichten „Carta abierta a políticos y criminales“ (de.: „Offener Brief an die Politiker und Verbrecher“) einen weiteren Protest an. Es sollte sich um einen Nationalen Marsch für Gerechtigkeit und gegen Straffreiheit unter dem Motto „Estamos hasta la madre “ (de.: „Wir haben die Schnauze voll“) handeln. Mitte des Monats schraubte der Schriftsteller, der sich als Libertärer betrachtet, 95 Plaketten an den Gouverneurspalast des Bundesstaates Morelos – eine für jeden seit Jahresbeginn Ermordeten – und forderte seine Mitstreiter auf, diese Aktion in allen Bundesstaaten nachzuahmen.
Der angekündigte Schweigemarsch begann am 5. Mai 2011 mit zunächst etwa 600 Teilnehmern in Cuernavaca. Im Laufe der folgenden Tage schlossen sich auf den 85 Kilometern Route allerdings immer mehr Sympathisanten an, so dass der Abschlusskundgebung am 8. Mai auf der zentralen Plaza de la Constitución in Mexiko-Stadt schätzungsweise 150.000 Demonstranten beiwohnten. Zeitgleich fanden in 31 mexikanischen Städten und 17 weiteren Städten weltweit Parallelveranstaltungen statt. Sicilia verlas einen 6-Punkte-Plan zur Wiederherstellung des Sozialgefüges der Bevölkerung und forderte abermals die Entlassung des Leiters des Secretaría de Seguridad Pública Genaro García Luna, den er für unfähig hält, die Probleme zu lösen. Zudem wirft er ihm den uneffektiven, aber gewaltfördernden Einsatz der Armee sowie Kollaboration mit dem Sinaloa-Kartell vor. Luna versuche, sich mit dem Kartell gutzustellen, um die anderen zerschlagen zu können. Am 23. Juni trafen sich Sicilia – dem von einigen Seiten vorgeworfen wird, er fokussiere sich in seinem Protest zu sehr auf die Politik, anstatt die Drogenhändler zu kritisieren – und andere Demonstranten mit Calderón und mehreren Regierungsvertretern (auch Luna) zu einem ersten Gespräch.
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Andria e Castel del Monte Challenger 2015

Der Andria e Castel del Monte Challenger 2015 war ein Tennisturnier, das vom 23. bis zum 29. November 2015 in Andria stattfand. Es war Teil der ATP Challenger Tour 2015 und wurde in der Halle auf Hartplatz ausgetragen.
Das Teilnehmerfeld der Einzelkonkurrenz bestand aus 32 Spielern, jenes der Doppelkonkurrenz aus 16 Paaren.

Nouméa | Happy Valley | Casablanca | Bucaramanga | Hongkong | Maui | Dallas | Burnie | Glasgow | Santo Domingo | Launceston | Bergamo | Breslau | Neu-Delhi | Morelos | Kyōto | Kalkutta | Cherbourg | Quimper | Guangzhou | Santiago de Chile | Irving | Shenzhen | Drummondville | Kasan | Ra’anana | Le Gosier | San Luis Potosí | Neapel | León | Batman | Saint-Brieuc | Sarasota | Mersin | Guadalajara | Santos | Savannah | Vercelli | Taipeh | Anning | São Paulo | Tallahassee | Turin | Ostrava | Busan | Aix-en-Provence | Cali | Qarshi | Rom | Bordeaux | Samarqand | Seoul | Heilbronn | Eskişehir | Vicenza | Prostějov | Gimcheon | Fürth | Manchester | Mestre | Caltanissetta | Moskau | Prag | Surbiton | Fargʻona | Perugia | Poprad-Tatry | Ilkley | Blois | Mailand | Marburg | Padua | Braunschweig | Winnetka | Todi | Posen | San Benedetto | Granby | Binghamton | Recanati | Scheveningen | Tampere | Astana | Lexington | Biella | Liberec | Segovia | Cortina d’Ampezzo | Aptos | Prag | Portorož | Vancouver | Cordenons | Meerbusch | Manerbio | Bangkok | Como | Genua | Barranquilla | Shanghai | Sevilla | Alphen aan den Rijn | Meknès | Saint-Rémy-de-Provence | Stettin | Istanbul | Banja Luka | Nanchang | Cary | Kenitra | Kaohsiung | Izmir | Campinas | Columbus | Sibiu | Trnava | Orléans | Tiburon | Pereira | Ağrı | Rom | Porto Alegre | Mons | Sacramento | Medellín | São Paulo | Mohammedia | Taschkent | Rennes | Ho-Chi-Minh-Stadt | Corrientes | Fairfield | Casablanca | Ningbo | Brest | Bangalore | Las Vegas | Santiago de Chile | Monterrey | Suzhou | Lima | Pune | Traralgon | Hua Hin | Bogotá | Guayaquil | Canberra | Charlottesville | Eckental | Bratislava | Mouilleron-le-Captif | St. Ulrich in Gröden | Buenos Aires | Kōbe | Knoxville | Montevideo | Champaign | Yokohama | Brescia | Andria | Toyota | Challenger Tour Finals
2013 | 2014 | 2015

Sonnenlieder

Sonnenlieder ist der Titel eines Liederbuches, dessen Lieder innerhalb der Neuwerk-Bewegung Anfang der 1920er Jahre gesungen und gesammelt wurden sowie zum Teil auch innerhalb der Bewegung entstanden sind. Der vollständige Titel der 103 Lieder umfassenden Sammlung, die zum ersten Gesangbuch der von Eberhard Arnold begründeten Bruderhof-Gemeinschaft wurde, lautet Sonnenlieder. Lieder für Naturfreude, Menschheitsfriede und Gottesgemeinschaft. Gewidmet ist das Liederbuch „der immer neuen Jugend“. Es versteht sich als musikalischer Folgeband des von Eberhard Arnold und Normann Körber 1921 herausgegebenen Buches Junge Saat. Lebensbuch einer Jugendbewegung.

Die Sonnenlieder wurden 1924 durch den Eberhard Arnold–Verlag Sannerz und Leipzig veröffentlicht. Als Herausgeber werden Emmy Arnold und Gertrud Dalgas genannt. Das Buch umfasst 214 Seiten im Format groß 8°. Den meisten Liedern sind Notensätze für Singstimmen und Klavier, einigen auch Sätze für den Chorgesang beigegeben.
Die Titelseite ist ein Werk des Offenbacher Grafikers und Typografen Rudolf Koch (1876–1934). Beigefügt sind den Sonnenliedern eine Reihe von Dürer-Bildern, darunter fünf Randzeichnungen, die der Künstler um 1515 für ein Gebet- und Gesangbuch geschaffen hat.
Die Sonnenlieder erschienen in qualitativ unterschiedlichen Ausgaben. 650 Exemplare waren in Leinen gebunden, 3000 in Halbleinen. Die Auflagenzahl einer dritten Ausgabe („für den Handgebrauch, rot kartoniert, einfarbig, auf einfachem Papier in billiger Ausstattung, [jedoch] mit allen Noten und Texten“) wird im Vorwort nicht erwähnt. Den Satz und Druck besorgte die Würzburger Universitätsdruckerei Stürtz.
Im Jahr 1920 wechselten Eberhard und Emmy Arnold ihren Wohnsitz und zogen mit ihren fünf Kindern von Berlin nach Schlüchtern. Dort gründeten sie mit ortsansässigen und auswärtigen Gesinnungsfreunden die sogenannte Neuwerk-Bewegung. Unterschiedliche Weltanschauungen sowie politische und soziale Ideen sollten hier zusammenfinden. Impulsgeber waren unter anderem die Wandervogelbewegung, der religiöse Sozialismus sowie pazifistische und nicht zuletzt lebensreformerische Ideen. Einen besonderen Einfluss auf die Gründer der Neuwerk-Gemeinschaft hatten auch die agrarromantische Landkommunen- und Siedlungsbewegungen sowie die verschiedenen reformpädagogischen Konzepte. Über allem aber stand für die Arnolds und ihre engeren Freunde das Ziel, ein Leben im Geist der Bergpredigt Jesu zu führen. Modellcharakter hatte dabei für sie die von der Jerusalemer Urgemeinde praktizierte urchristliche Gütergemeinschaft. Innerhalb der jungen Neuwerk-Bewegung entstand bereits im Sommer 1920 die kleine Sonnherz-Gemeinschaft im Hinterhaus einer Gastwirtschaft in Sannerz bei Schlüchtern. Zu ihr stieß auch die Mitherausgeberin der Sonnenlieder, die aus Brake stammende Lehrerin Gertrud Dalgas (1897–1985). Sie hatte Eberhard Arnold im Frühjahr 1921 bei einem Vortrag in Frankfurt kennengelernt und daraufhin an der 2. Schlüchterner Pfingstkonferenz der Neuwerk-Bewegung teilgenommen. Noch im Herbst desselben Jahres schloss sie sich der Sannerzer Gemeinschaft an und blieb ihr durch alle Krisen hindurch bis an das Ende ihres Lebens verbunden.
1927 zog die Sonnherz-Gemeinschaft auf den in der Rhön und unweit von Sannerz gelegenen Sparhof um. Die Siedlung wuchs ständig und hatte bereits vor 1930 fast 100 Erwachsene und Kinder. 1930 nahm Eberhard Arnold Kontakt zu den nordamerikanischen Hutterern auf und schloss sich mit seiner jetzt Bruderhof genannten Gemeinschaft ihnen an. Die Bruderhöfer wurden bei den Hutterern als Arnoldleut geführt. Diese Verbindung zur hutterischen Gemeinschaft findet ihren Niederschlag in einem zweiten Band der Sonnenlieder, den Emmy Arnold 1933 herausgab und in dem viele täuferische Lieder des 16. und 17. Jahrhunderts Aufnahme fanden. Er trägt den Titel Sonnenlieder: Lieder der Lebensgemeinde, wie sie aus Anregen des Geistes verfasst und hervorgebracht und so auch zu singen sein. Unter dem Titel Songs of Light erschien 1977 eine völlig neue, englisch-deutsche Ausgabe der Sonnenlieder in New York.
Das Gesangbuch Sonnenlieder bietet neben den 25 im Raum der Neuwerk-Bewegung entstandenen Gesängen und Liedern eine breit angelegte Auswahl von Liedgut aus mehr als sieben Jahrhunderten. Weltliche Fahrten- und geistliche Volkslieder finden sich hier genauso wie traditionelle Choräle der Reformationszeit. Lieder der Arbeiter- und Pazifistenbewegung stehen neben täuferischen, pietistischen und erwecklichen Gesängen. Über den Inhalt und die Zusammensetzung der Sonnenlieder schreibt der Arnold-Biograph Markus Baum: „Kaum ein anderes Dokument verrät mehr über das Leben in der Neuwerk-Gemeinschaft Sannerz, über die Geistesströme, die dort zusammenflossen und zugleich über die Menschen, die dort in den ersten Jahren ein- und ausgingen.“
Dem eigentlichen Liedteil der Sonnenlieder sind ein Vorwort, eine Widmung und das Gedicht eines nicht genannten Autors (Licht ist Liebe … Sonnen-Weben) vorangestellt. Es folgen drei einleitende Gesänge: der Sonnengesang des Franz von Assisi, Gott bewegt und Dem Sonnenaufgang entgegen (beide von Eberhard Arnold). Der Hauptteil der 100 Sonnenlieder ist in fünf „Lieder-Gruppen“ unterteilt, deren Sinn aber nicht näher erläutert wird und deren Bedeutung sich aus der Betrachtung der jeweils den Gruppen zugeordneten Liedern nicht erschließt. Der Anhang der Sonnenlieder besteht aus vier Abschnitten. Im ersten finden sich kurze Erklärungen zu den einzelnen Lieder sowie zu deren Dichtern und Komponisten. Der zweite Abschnitt gibt musikalische Hinweise und zeigt, welche der Sonnenlieder sich für Solovortrag beziehungsweise für Männer–, Frauen- und Gemischte Chöre eignen. Im dritten Abschnitt geht es um die Dürer-Bilder, die in das Gesangbuch aufgenommen wurden. Der letzte Abschnitt enthält ein alphabetisch geordnetes Liederverzeichnis.
Eberhard Arnold, auf den rund ein Viertel der Sonnenlieder zurückgeht, schrieb am 8. Mai 1924 an den pazifistischen Philosophen und Pädagogen Friedrich Wilhelm Foerster: „Durch alle unsere Lieder geht der starke Ton des Friedensglaubens und der Friedenserwartung.“ Damit deutet er auf den roten Faden, der die Lieder unterschiedlichster Herkünfte miteinander verbindet.
Das Gesangbuch enthält Lieder aus einem Zeitraum von 800 Jahren. Das älteste Lied der Sammlung ist der Sonnengesang Franz von Assisis, das in seinem ursprünglichen Text zwischen 1224 und 1226 entstand. Lutherchoräle in der textlichen Urfassung (zum Beispiel Nu bitten wyr den heyligen Geyst) stehen neben Liedern der reformatorischen Täuferbewegung (Willst du bei Gott die Wohnung han, Wir schleichen in den Wäldern um). Ein größerer Teil der Liedersammlung geht auf die Herrnhuter, Heiligungs- und Erweckungsbewegung zurück. Zinzendorfs König, gib uns Mut und Klarheit findet sich zum Beispiel unter den Sonnenliedern ebenso wie das vom Methodistenprediger Ernst Gebhardt stammende Lied Auf, denn die Nacht wird kommen. Zwischen den für kirchliche Gesangbücher üblichen geistlichen Gesängen sind Natur- und Fahrtenlieder ohne religiösen Bezug eingestreut (zum Beispiel Einen goldenen Wanderstab; Wir wollen zu Land ausfahren; Früh, wenn die Hähne krähn).
Eine weitere Besonderheit des Bruderhof-Gesangbuchs sind Liederdichtungen bekannter und unbekannter Pazifisten. Dazu gehören unter anderem Kees Boeke, Otto Salomon und Hans Fiehler. Kees Boeke (1884–1966) war ein niederländischer Reformpädagoge. Aus seiner Feder stammt eine größere Gruppe von Sonnenliedern, die von der Neuwerk-Gemeinschaft aus dem Niederländischen ins Deutsche übertragen wurden. Auch Otto Salomon (1889–1971) verfasste eine größere Zahl der Sonnenlieder. Er war jüdischer Herkunft und 1911 zum Christentum konvertiert. Er gehörte sowohl der Wandervogel- als auch der Neuwerkbewegung an. Seine geistliche Heimat war der Religiöse Sozialismus. Salomon arbeitete als Dichter, Schriftsteller (Pseudonyme Otto Bruder, Otto Johannes Bernt), Schauspieler und Darmaturg. Hans Fiehler (eigentlich Johannes Baptist Fiehler; † 1969), der dritte der hier genannten Pazifisten, war der Sohn des Baptistenpredigers Heinrich Fiehler und Bruder des Münchner Nazi-Oberbürgermeisters Karl Fiehler. Nach traumatischen Erfahrungen als Soldat im Ersten Weltkrieg zog er unter dem Künstlernamen Hans im Glück als Sänger, Musiker sowie Kunstmaler von Ort zu Ort und war häufig Gast bei Eberhard und Emmy Arnold in Sannerz.
Zu den politischen Sonnenliedern gehört das von Kurt Eisner, dem 1919 ermordeten Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern gedichtete Lied Wir werben im Sterben um ferne Gestirne. Außerdem – und das ist vermutlich einmalig in einem geistlichen Gesangbuch – enthalten die Sonnenlieder das ursprünglich russische Arbeiterkampflied Brüder, zur Sonne, zur Freiheit. Die letzte Zeile der dritten Strophe wurde allerdings durch Erich Mohr (1895–1960) verändert. Bei Hermann Scherchen, dem deutschen Übersetzers des Arbeiterliedes, lautet die Schlussstrophe:
„Brüder, in eins nun die Hände, / Brüder, das Sterben verlacht! / Ewig, der Sklav’rei ein Ende, / heilig die letzte Schlacht!“
In den Sonnenliedern heißt es:
„Brüder, in eins nun die Hände, / Brüder, das Sterben verlacht! / Ewig, der Sklav’rei ein Ende, / Heilig der Liebe Macht!“

Millikan-Versuch

Beim Millikan-Versuch handelt es sich um ein Experiment, mit dem es den amerikanischen Physikern Robert Andrews Millikan und Harvey Fletcher 1910 gelang, die Größe der Elementarladung deutlich genauer zu bestimmen als es bis dahin möglich gewesen war. Für diese Messung erhielt Robert Millikan 1923 den Nobelpreis für Physik.
Auf Anregung von Robert Millikan griff Harvey Fletcher dazu im Rahmen seiner Doktorarbeit auf zuvor von Harold Albert Wilson, Joseph John Thomson und anderen Forschern durchgeführte Versuche zurück, die er maßgeblich verbesserte. Seine wichtigste Verbesserung bestand darin, die zuvor eingesetzten Stoffe Wasser bzw. Alkohol durch schwerflüchtige Flüssigkeiten wie Öl und Quecksilber zu ersetzen. Um die Elementarladung zu bestimmen, wurde die Sinkgeschwindigkeit von elektrisch aufgeladenen Öltröpfchen bei vorhandenem elektrischem Feld im Vergleich zum Fall ohne elektrisches Feld gemessen. Der so ermittelte Wert der Elementarladung war:
Robert Millikan bestand darauf, in der Veröffentlichung dieses Ergebnisses in der Fachzeitschrift Science als einziger Autor aufzutreten. Im Gegenzug wurde Harvey Fletcher als einziger Autor eines Artikels in Physical Review über die Bestätigung der Brownschen Molekularbewegung genannt und konnte dies für seine Dissertation verwenden. An dem Nobelpreis war Harvey Fletcher nicht beteiligt und wurde von Robert Millikan auch nicht entsprechend erwähnt. Harvey Fletcher machte das Abkommen mit Robert Millikan in einem Text öffentlich, der erst nach seinem Tod 1982 posthum in der Fachzeitschrift Physics Today gedruckt wurde.

Mit einem Zerstäuber werden zunächst feinste Öltröpfchen erzeugt, die so klein (etwa 0,5 µm Durchmesser) sind, dass man sie mit einem herkömmlichen Mikroskop nicht mehr direkt beobachten kann. Um sie dennoch zu verfolgen, bedient man sich der Dunkelfeldmethode, bei der man die Öltröpfchen in einem Winkel von etwa 150° zum Betrachter, also aus fast entgegengesetzter Richtung beleuchtet und die dabei entstehenden Beugungsscheibchen im Mikroskop verfolgt (wobei zu beachten ist, dass das Mikroskop oben und unten vertauscht, man also die Beugungsscheibchen sinkender Öltröpfchen nach oben wandern sieht und umgekehrt). Wenigstens ein Teil der Öltröpfchen muss dabei elektrisch geladen sein, was in Millikans Versuchsaufbau durch eine Röntgenröhre erreicht wurde, deren ionisierende Strahlung die Öltröpfchen elektrostatisch auflud. In der Regel aber genügt schon die Reibung der Öltröpfchen aneinander beim Zerstäuben oder an der Luft, um sie hinreichend aufzuladen.
Anschließend gelangen die Tröpfchen zwischen die Platten eines Plattenkondensators. Die Öltröpfchen sind so klein, dass für sie die Luft wie eine zähe Flüssigkeit wirkt. Sie schweben lange Zeit als Aerosol in der Luft. Das elektrische Feld des Kondensators übt jedoch eine Kraft auf geladene Öltröpfchen aus, die die Schwerkraft weit übersteigt. Die Coulomb-Kraft zieht die positiv geladenen Tröpfchen zur negativ geladenen Platte des Kondensators. Die daraus resultierende Bewegung lässt sich als Bewegung der mit dem Mikroskop erkennbaren Beugungsmuster beobachten.
Montiert man die Platten des Kondensators horizontal übereinander, kann man durch Anlegen einer geeigneten Spannung an die Platten eine elektrische Kraft auf die Tröpfchen ausüben, die die Summe der beiden erstgenannten Kräfte kompensiert, die nach unten wirkenden Gewichtskraft sich also die Waage mit der Summe der elektrischen Kraft sowie der Auftriebskraft hält und das betreffende Öltröpfchen damit im Prinzip schwebt.
Durch Lösen der Gleichung könnte nun also vom Grundsatz her die Ladung der Öltröpfchen bestimmt werden – praktisch aber scheitert das daran, dass die Beugungsscheibchen im Mikroskop keinerlei Rückschlüsse auf den Radius der Öltröpfchen zulassen, die rechte Seite der Gleichung also unbestimmt bleibt. Hinzu kommt, dass der Schwebezustand aufgrund der brownschen Bewegung nur schwer exakt zu erkennen ist.
Um den Radius der Tröpfchen dennoch zu ermitteln, kann man den Umstand nutzen, dass sich nicht nur durch das elektrische Feld im Kondensator, sondern auch durch den Einfluss der geschwindigkeitsabhängigen stokesschen Reibungskraft ein Kräftegleichgewicht einstellt, allerdings nun nicht in Form eines Schwebezustands der betreffenden Öltröpfchen, sondern einer konstanten Geschwindigkeit ihres Fallens bzw. Steigens.
In der Praxis gibt es dazu zwei verschiedene Verfahren: Bei der „Einfeldmethode“ misst man nach einem angenähert erreichten Schwebezustand eines ausgewählten Öltröpfchens seine Fallgeschwindigkeit allein aufgrund der Schwerkraft, bei der „Zweifeldmethode“ dagegen lässt man das Öltröpfchen zunächst einmal vom Feld des Kondensators nach unten und (nach Umpolen des Feldes) anschließend wieder nach oben ziehen, wobei man jeweils die Sinkgeschwindigkeit sowie Steiggeschwindigkeit des Tröpfchens protokolliert.
Es existieren zwei Varianten des Versuchs, die Schwebe- (oder Einfeld-) und die Gleichfeldmethode (oder Zweifeldmethode). Bei der Schwebemethode wird eine Geschwindigkeit zu Null gewählt und die zweite Geschwindigkeit sowie die für den Stillstand benötigte Spannung gemessen. Bei der Zweifeldmethode wird der Betrag der Spannung fest vorgegeben und die zwei Geschwindigkeiten bei Umpolung des elektrischen Feldes gemessen. Die Zweifeldmethode ist dabei die üblichere.
Bei der Bewegung des Öltröpfchens treten folgende Kräfte auf, die in den Bildern grafisch veranschaulicht werden:
Die darin vorkommenden Größen sind wie folgt definiert:
Ein ausgewähltes Öltröpfchen wird durch Variation der Kondensatorspannung annähernd zum Stillstand (Schweben) gebracht und anschließend bei ausgeschaltetem elektrischem Feld seine Fallgeschwindigkeit gemessen. Sobald sich beim Fallen des Öltröpfchens ein Gleichgewicht zwischen Reibung, Auftrieb und Gewicht eingestellt hat, gilt:
Einsetzen der bekannten Zusammenhänge ergibt:
Umstellen nach ergibt:
Damit ist der Radius der Öltröpfchen alleine aus der messbaren Fallgeschwindigkeit bestimmbar. Um zur Ladung zu gelangen, wird nun der Schwebezustand betrachtet. In diesem gilt analog der obigen Formel die Gleichung:
da sich nun die elektrische Kraft im Gleichgewicht mit Gewichts- und Auftriebskraft befindet. Einsetzen der Zusammenhänge für die Kräfte, ergibt:
Das kann nach der Ladung umgeformt werden:
Einsetzen der Gleichung für in die Gleichung für liefert eine Gleichung für die Ladung, die nur noch von den messbaren Größen Spannung und Fallgeschwindigkeit abhängt:
Somit kann aus den Messgrößen direkt die Ladung und der Radius berechnet werden.
Bei gegebener Kondensatorspannung wird für ein ausgewähltes sich zunächst nach unten bewegendes Öltröpfchen seine Sinkgeschwindigkeit und anschließend, nach Umpolung des elektrischen Feldes bei betragsmäßig beibehaltener Kondensatorspannung, seine Steiggeschwindigkeit bestimmt. Im Falle des Sinkens gilt:
Im Falle des Steigens gilt:
Subtrahieren der beiden Gleichungen voneinander, Einsetzen der bekannten Zusammenhänge und Auflösen nach liefert:
Einsetzen dieser Gleichung in eine der beiden Kraftgleichungen liefert eine Gleichung für die Ladung
Einsetzen der Gleichung für in die Gleichung für liefert für den Radius
Nun sind sowohl Radius als auch Ladung allein durch messbare Größen bestimmbar.
Da die Größe der Öltröpfchen im Bereich der mittleren freien Weglänge von Luft liegt, sollte für die Stokessche Reibung noch die Cunningham-Korrektur berücksichtigt werden. Dabei wird die Reibungskraft um einen Term erweitert, der im Normalfall bei großen Körpern vernachlässigt werden kann:
wobei die mittlere freie Weglänge von Luft und der Tröpfchenradius ist. Die Gleichungen müssen nun neu gelöst werden und werden etwas komplexer, aber auch signifikant genauer.
Da jedes Öltröpfchen aus einer größeren Anzahl von Atomen besteht und nicht nur eine, sondern auch mehrere Ladungen tragen kann, ist jede berechnete Ladung eines Öltröpfchens ein ganzzahliges Vielfaches der Elementarladung. Zeichnet man die Ladungsverteilung vieler Versuche in ein Schaubild ein, ergibt sich keine kontinuierliche Verteilung. Es zeigt sich, dass nur Vielfache der Elementarladung auftreten können.
Eine einzelne Elementarladung auf einem Teilchen lässt sich nur dann beobachten, wenn die Spannung hoch genug ist, um gerade noch sichtbare Öltröpfchen mit einer Elementarladung mindestens im Schwebezustand zu halten. Das ist in den meisten Versuchsaufbauten nicht der Fall.
Seit 1910 wurden deutlich genauere Methoden zur Bestimmung der Elementarladung entwickelt. Die Elementarladung kann sehr genau aus dem Quanten-Hall-Effekt bestimmt werden. Der auf diese Weise ermittelte, von CODATA empfohlene Wert beträgt .

Transkaukasische Demokratisch-Föderative Republik

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Die Transkaukasische Demokratisch-Föderative Republik (georgisch ამიერკავკასიის დემოკრატიული ფედერაციული რესპუბლიკა, aserbaidschanisch Zaqafqaziya Demokratik Federativ Respublikası, armenisch Անդրկովկասյան Դեմոկրատական Ֆեդերատիվ Հանրապետություն; auch kurz Transkaukasische Föderation) war ein sehr kurzlebiger Bundesstaat im Kaukasus. Er bestand vom 22. April bis zum 28. Mai 1918. Der Bund umfasste das Gebiet der späteren Nachfolgestaaten Georgien, Aserbaidschan und Armenien.

Nach der Februarrevolution 1917 und dem Zusammenbruch des Zarenregimes in Transkaukasien setzte die provisorische russische Regierung ein Besonderes Transkaukasisches Komitee (russisch Особый Закавказский Комитет (ОЗАКОМ), Osoby Sakawkasski Komitet (OSAKOM)) zur Verwaltung des südlichen Kaukasus ein. Es stützte sich auf die nach dem Vorbild des Petrograder Rates der Revolutionären Demokraten in Georgien gegründeten Räte, die fest in der Hand der gemäßigten Menschewiki war.
Die bolschewistische Oktoberrevolution änderte die Situation grundlegend. Die kaukasischen Sowjets weigerten sich, das Regime Lenins anzuerkennen. Die Bedrohung durch eine wachsende Zahl zu den Bolschewiki überlaufender Soldaten der früheren russischen Kaukasus-Front, ethnische Zusammenstöße und Anarchie in den Regionen zwangen die georgischen, armenischen und aserbaidschanischen Politiker, am 14. November 1917 eine einheitliche regionale Regierung zu bilden, das Transkaukasische Kommissariat.
Am 23. Januar 1918 wurde ein regionales Parlament gegründet, der Sejm. Das Transkaukasische Parlament (Sejm) trat zum ersten Mal am 10. Februar zusammen. Den Vorsitz hatte der georgische Menschewik Nikolos Tschcheidse. Er rief am 22. April die Unabhängigkeit Transkaukasiens und die Gründung der Transkaukasischen Föderation aus. Hauptstadt wurde Tiflis. Die Währung wurde der Transkaukasische Rubel. Amtssprachen waren Georgisch, Armenisch und Aserbaidschanisch.
Der Transkaukasischen Republik war nur ein kurzes Leben beschieden. Sie wurde von wachsenden inneren Spannungen und dem Druck des Osmanischen Reiches unterlaufen. Um Georgien vor einer türkischen Eroberung zu bewahren, nahm die georgische Nationalversammlung (georgisch Dampudsnebeli Kreba) Verhandlungen mit Deutschland auf, das bereit war, ein unabhängiges Georgien vor dem Zugriff des mit Deutschland verbündeten Osmanischen Reiches zu schützen. Als Gegenleistung verlangte Berlin Privilegien bei der Ausbeutung von Mangan und Kupfer sowie dem Erdöltransfer vom Kaspischen Meer. Die deutsche Militärführung hatte bereits 3.000 deutsche Soldaten in Georgien stationiert, um die Belieferung der deutschen Schwerindustrie mit Rohstoffen zu sichern. Am 26. Mai proklamierte Georgien die Demokratische Republik Georgien, erklärte seine Unabhängigkeit und trat aus der Föderation aus. Armenien und Aserbaidschan (darunter auch die Zentralkaspische Diktatur) folgten diesem Schritt am 28. Mai.
Die Nachfolgestaaten Demokratische Republik Georgien, Demokratische Republik Armenien und Demokratische Republik Aserbaidschan wurden später von der Roten Armee besetzt und in die Sowjetunion eingegliedert. Von 1922 bis 1936 schlossen sie sich zur Transkaukasischen SFSR zusammen.